Sonntag, 28. Dezember 2014

Ich bin Malala

¨Wir wollen selbst bestimmen, zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Im Koran steht nirgendwo, dass eine Frau von einem Mann abhängig sein soll. Der Himmel hat uns kein Wort darüber geschickt, dass jede Frau auf einen Mann zu hören hat.¨
Zitat aus Ich bin Malala


Malala kommt aus Pakistan. Als sie geboren wurde, freute sich ihr Vater. Im Gegensatz zu vielen anderen pakistanischen Mädchen, war Malala von Anfang an willkommen. Seit sie alt genug ist, geht sie zur Schule - auch das ist für ein paschtunisches Mädchen aus dem pakistanischen Swat-Tal eine Seltenheit.
Als die pakistanische Taliban im Swat immer mächtiger wurden, wurde es für Mädchen immer schwerer, Bildung zu erlangen. Die Extremisten verboten die Schulen für Mädchen und sprengten des Nachts sogar Mädchenschulen.
Malala bestand darauf, dass niemand ihr einfach verbieten dürfe, zur Schule zu gehen und zu lernen. Und schon als Kind kämpfte sie zusammen mit ihrem Vater gegen die Repressionen.
Im Oktober 2012 wurde sie dafür schwer bestraft. Ein pakistanischer Talib hielt ihren Schulbus an und schoss ihr aus nächster Nähe in den Kopf.

Sie überlebte.

Heute, 2 Jahre später, lebt sie mit ihrer Familie in England und setzt sich mit ihrem Malala-Fund für ihr Herzensprojekt - Bildung auf der ganzen Welt - ein. Gerade hat sie den Friedensnobelpreis erhalten.
Malala Yousafzai ist 17 Jahre alt.

Auf dem Cover ihres Buches ¨Ich bin Malala¨ trägt sie ein rosanes Kopftuch. Rosa ist ihre Lieblingsfarbe. Ein Kopftuch trägt sie normalerweise allerdings nicht.
Sie schreibt über ihre Kindheit und das Swat-Tal, wie es vor den Taliban war. Und dann über die Veränderung, die die Islamisten mit sich brachten. Sie schreibt zwar faktenorientiert, erzählt die Ereignisse aber aus ihrer Sicht.
Das Buch vermittelt so einen guten Eindruck von den Geschehnissen in Pakistan und vom Leben eines Mädchens - Malalas Leben - unter den Taliban.
So sehr Malala ihre Heimat, die Pashtunen und auch ihren Allah liebt - sie scheut vor Kritik nicht zurück. Dass die Menschen im Swat den Taliban durch ihre anfängliche Unterstützung und ihren blinden Glauben an die Worte der ¨Gottesmänner¨ zum Aufstieg verholfen haben, sieht sie deutlich.
Bei all dem liest sich das Buch sehr leicht. Es vermittelt neben der Zeit des Talibanaufstiegs auch einen Eindruck vom Alltag eines pashtunischen Pakistani und vom Leben einer islamischen Familie, die den Islam als Religion des Friedens und der Freiheit leben will.
Als ich das Buch zu schlug, war ich beeindruckt von dieser jungen Frau, die schon so viel geschafft hat und noch mehr schaffen wird.
Malala träumt noch immer von Bildung für jeden Jungen und jedes Mädchen. Und von einer Rückkehr ins Swat. Sie ist sich der Chancen und Verantwortung, die mit ihrer Bekanntheit einher gehen, bewusst und will sie nutzen.
Sie selbst sagt:
¨Ich bin Malala. Meine Welt hat sich verändert, aber ich mich nicht.¨
Respekt!

Das Buch könnt ihr HIER bestellen, oder beim Buchladen um die Ecke kaufen.
Wärmstes empfohlen von den Töchtern der Freiheit :)

Samstag, 20. Dezember 2014

Über die (Nicht-)Diskriminierung der Frau

Zuerst erschienen im Studentenmagazin Peace Love Liberty


Werden Frauen ungerecht entlohnt?
Der Gender Pay Gap sagt 22%, das statistische Bundesamt sagt 8% und eine Studie des DIW sagt ca. 4%. Wie man es auch dreht: der Durchschnitt der Frauen verdient weniger Geld als der Durchschnitt der Männer. Ein Teil der 22% des Gender Pay Gap lässt sich leicht erklären. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, typische Frauenberufe sind schlechter bezahlt als typische Männerberufe und Frauen arbeiten deutlich seltener in hochbezahlten Spitzenpositionen. Übrig bleibt der Einkommensunterschied von 8%, von dem das statistische Bundesamt ausgeht. Betrachtet man die Nettogehälter, halbiert sich der Unterschied noch einmal.
Hinter der verbleibenden Lohnlücke, wahlweise auch hinter der 22% oder 8%, wittern Feministinnen und Linke schnell eine direkte Diskriminierung der Frau oder ein vollständiges Versagen des Doppel-X-Chromosoms auf dem Arbeitsmarkt. "Frauen, wir haben versagt" titelte Bettina Weigung 2008 in der FAZ. Versagt haben "wir", weil weder Mark Zuckerburg noch Bill Gates eine Frau ist, weil "wir" zwar die Hälfte der Hochschulabsolventen stellen, die innovativen Ideen aber noch immer von den Männern kommen. "Schon wieder eine Revolution, die ohne uns auskommt", betrauert Weigung "unser" Schicksal.
Dabei gibt es recht plausible Erklärungen für die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Und hinter allen steckt eine schlichte Erkenntnis: Die durchschnittliche Frau tickt anders als der durchschnittliche Mann. Bei all dem Wirbel um "uns Frauen" hat man vergessen, die Frau zu fragen, wie sie sich mit ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation fühlt.
Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, weil sie sich Zeit für ihre Familie wünschen, Männer sind oft eher auf ihre Karriere fixiert. Dies ist nicht unbedingt auf einen biologischen Unterschied zwischen den Geschlechtern zurückzuführen, sondern auf einen langen Sozialisationsprozess.
Es bedeutet auch nicht, dass einem Menschen der wirtschaftliche Aufstieg verwehrt bleibt, weil er zufällig eine Frau ist. Oder dass ein Mann nicht zugunsten der Familie auf seine Karriere verzichten kann. Es bedeutet aber, dass eine Frau sich oft freiwillig für eine Teilzeitstelle entscheidet, um Zeit für ihre Familie zu haben und so glücklicher ist, als mit einem Vollzeitjob.
Auch typische geschlechterspezifische Berufe entstehen nicht aufgrund von Zwang. Sie entstehen, weil Frauen offenbar lieber Haare frisieren als Autos zu reparieren. Und auch das ist ein Ergebnis von Tradition und Sozialisation.
Dass typische Frauenberufe schlechter bezahlt sind als typische Männerberufe, entscheidet keine geheime chauvinistische Männerverschwörung, sondern der Markt. Dahinter steckt keine systematische Benachteiligung von Frauen. Eine organisierte Diskriminierung von Frauen können sich die Unternehmen bei der aktuellen Marktsituation ohnehin nicht leisten. Jede gut ausgebildete Fachkraft wird benötigt, egal ob Mann oder Frau.
Trotzdem finden sich kaum Frauen in den Aufsichtsräten oder an den Konzernspitzen. Eine Frau, die Zeit für ihre Familie haben will, wird kaum eine belastende Spitzenposition anstreben. Aber hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Frauen sind oft weniger durchsetzungsfähig als Männer und gehen anders mit Stress oder mit Konflikten um. Sie stehen außerdem seltener unter dem gesellschaftlichen Druck, wirtschaftlich besonders erfolgreich sein zu müssen, und sind mit einer gut bezahlten Position im mittleren Management durchaus glücklich und weit weniger gestresst als ihre männlichen Kollegen mit 80-Stunden Woche. Frauen, die große Konzerne leiten sind aber kein biologisch und sozial unmögliches Phänomen. Es ist allerdings breiter Konsens, dass Frauen erst gleichgestellt sind, wenn sie die Hälfte der Führungspositionen besetzen und im Schnitt das gleiche verdienen wie Männer.
Dabei wird meist übersehen, dass es kein weibliches Kollektiv gibt. "Wir Frauen" sind eine Einbildung. Genauso wie unser Kampf gegen "die Männer". Der Wettkampf der aggregierten Geschlechter ist bedeutungslos. Es geht vielmehr um das Glück und die Selbstverwirklichung des Individuums, nicht darum, möglichst viel zum Durchschnitt des eigentlichen Geschlechtes beizutragen. Jede Frau, die Karriere machen will, darf sich nicht einschüchtern lassen von einer Zahl, zu der sie nur ein Vierzigmillionstel beiträgt. Wer sich auf der alten Leier der Diskriminierung durch die Männer ausruht, diskriminiert sich selbst. Die Lösung für das Problem der aggregierten Ungleichbehandlung von Frauen in der Wirtschaft sind also wir selbst. Nicht wir alle gemeinsam, sondern jede von uns.


Montag, 8. Dezember 2014

Der schmale Grat der Gleichberechtigung

Einige Zeit lang waren für mich Akif Pirinçcis Texte erfrischend ehrlich und verursachten einen kleinen angenehmen Aufschrei in unserer politisch-korrekten Gesellschaft.
Doch langsam aber sicher ist eine Grenze überschritten, bei der ich als Frau ohne zu Stutzen nicht mehr über die Texte Akif Pirinçcis hinweggehen kann.
Aussagen wie:

Hierbei gilt das weibliche Element, welches gleichgültig in welcher Sparte und wie im Guten als auch im Bösen lediglich das Mittelmaß repräsentiert und im Grunde nur für die Herstellung vom Nachwuchs zuständig ist, als der geistige und moralische Leitstern.

zeugen nicht nur, wenn nicht von einer gewissen Frauenverachtung, so doch zumindest von einer Unterschätzung der Fähigkeiten der ‚ach so mittelmäßigen‘ Frauen. Die gleichzeitige Überhöhung des Mannes als jemandem, der in unserer Gesellschaft genötigt wird, dem natürlichen „Mannsein“ abzuschwören, und der so tun muss,  „als sei er nur ein ‚Mensch‘“, zeichnen ein sehr deutliches Bild  der geistigen Welt, um nicht zu sagen Unterwelt Akif Pirinçcis.

Mittwoch, 19. November 2014

GenderPOLITIK?

Ein kurzer Kommentar

Genderpolitische Maßnahmen sollen die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Gesellschaft stärken. Doch in Wahrheit sind sie diesbezüglich nicht besonders erfolgreich, um ehrlich zu sein sogar nutzlos.
Wer die Frage stellt, welche Auswirkungen Aktionen wie die Umbenennung der Studentenwerke in "Studierendenwerke" oder die Festsetzung einer Ampelfrauenquote auf das eigene Leben haben, wird unzweifelhaft zu der Erkenntnis kommen: KEINE!
Veränderungen, die keinen wirklichen Einfluss auf das Leben von Menschen haben, können auch keine Veränderung in der Gesellschaft bewirken. Ob es sich hierbei wirklich um etwas handelt, das es verdient Politik genannt zu werden, ist fraglich. "Nicht-Politik" wäre möglicherweise passender. Oder "Beschäftigungstherapie für gelangweilte Abgeordnete und Beamte". 
Maßnahmen ohne reale Wirkungen durchzusetzen ist leider nicht nur nutzlos sondern auch teuer. Letztlich zahlen alle Bürger für etwas, das ihr Leben in keiner Weise berührt. Frauen und Männer sind zudem in der Lage, ihr Verhältnis zueinander und ihre Position in der Gesellschaft ohne politische, bzw. nicht-politische, Einmischung zu finden.

Also, liebe Politiker: Hört auf damit!
Wenn ihr Langeweile habt, löst Kreuzworträtsel.

Freitag, 14. November 2014

Regt euch ab!

Eine nicht ganz ernst gemeinte Feminismuskritik



Meine Damen, wir leben in der westlichen Zivilisation. Frauen dürfen arbeiten, wählen und so viele Schuhe kaufen, wie sie wollen. Ich muss mich fragen, welches Ziel der Feminismus in dieser Zeit noch verfolgt.

Irgendwann einmal ging es um Gleichberechtigung. Es ging darum, dass Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich sind, dass sie vom Staat die gleichen Rechte bekommen und ich bin dankbar, dass starke Frauen – und auch Männer – das für uns alle durchgesetzt haben. Doch wenn ihr heute nach Gleichberechtigung schreit, meint ihr entweder gesellschaftliche Gleichmacherei oder eine Gleichheit, die auf Statistischen Maßen beruht. Ihr möchtet kurze Röcke tragen, ohne angesehen zu werden. Wie können sie auch, diese Männer. Da zeigt man seine Beine und die schauen auch noch hin. Chauvis!

Eure Ambivalenz ist grenzenlos. Frauen sollen genau so behandelt werden wie Männer. Ist ja auch nicht fair, dass die Gesellschaft einen Unterschied macht. Aber ein Mann, der die Tür nicht aufhält, ist ein unhöflicher Rüpel. Gleichbehandlung? Klar! Aber nur bis 10kg. Dann soll er das die Treppe rauf schleppen. Der Feminismus der westlichen Welt wird immer alberner, weil er kein weltbewegendes Ziel mehr verfolgt. Es sei denn man möchte die Einführung von Frauenquoten als weltbewegend bezeichnen. Im Übrigen schlage ich hier vor, solche Quoten in allen Berufszweigen und Gehaltsstufen einzuführen. Und zwar am besten direkt 50%. Immerhin gibt es genauso viele Frauen wie Männer in Deutschland. Da kann es kaum angehen, dass nicht die Hälfte der Erzieher Männer sind. Oder die Hälfte aller Bauarbeiter Frauen. Das findet ihr übertrieben? Ihr wollt doch nur nicht Bauarbeiter werden. Dann doch lieber Managerin. Oder Aufsichtsrätin. Immerhin sieht man im Kostüm besser aus, als im Blaumann.

Im übrigen entschuldige ich mich. Ich habe weder Erzieher noch Bauarbeiter korrekt gegendert. Was wäre denn wünschenswert? Erzieherx und Bauarbeiterx? Ich liebe diese Art der geschlechtsneutralen Formulierung sehr, weil sie mich an die Asterix und Obelix Comics meiner Kindheit erinnert. Man fühlt sich fast wie ein Gallier. Oder eine Gallierin, pardon. Im Übrigen ist es hier wieder wichtig, als Frau wahrgenommen zu werden. Man will ja auch nicht so ganz untergehen, in so einer geschlechtertechnischen Einheitswelt.
Und wer soll denn sonst die ganzen Schuhe tragen?

Freitag, 7. November 2014

Deutschland, deine Mütter...

Vor etwa einem halben Jahr hatte ich eine Diskussion über das Thema Mutterschutz. Ich war dafür. Werdende Mütter davor zu schützen, willkürlich gekündigt zu werden oder zu schwere Arbeiten verrichten müssen, erschien mir doch sehr logisch. Schließlich werden Frauen nicht böswillig schwanger, um ihren Arbeitgeber zu ärgern und sollten deshalb nicht diskriminiert werden.

Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert. Das „Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter“ umfasst 10 Seiten und schon der Titel macht mich stutzig: Warum ist nur die erwerbstätige Mutter geschützt? Sind nicht erwerbstätige Mütter unserem Gesetzgeber denn weniger wert?
Das Gesetz gilt nach §1 für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder für in Heimarbeit beschäftigte Frauen. Also sind auch Selbständige nicht durch das Gesetz geschützt.
Das Gesetz zielt offenbar darauf ab, alle von einem Arbeitgeber abhängigen Frauen vor eben diesem zu schützen. Offenbar sind wir über den Klassenkampf von Arbeit und Kapital noch immer nicht hinweg.

Drei Seiten lang beschäftigt sich der Gesetzestext mit verschiedenen Beschäftigungsverboten und möglichen Ausnahmen. So dürfen werdende Mütter beispielsweise nicht arbeiten, wenn sie bei ihrer Tätigkeit länger als 5 Stunden stehen, mehr als 5kg heben, hocken, sich strecken und beugen oder Geräte mit hoher Fußbeanspruchung bedienen müssen.
Bereits nach Ablauf des dritten Schwangerschaftsmonates dürfen Frauen nicht mehr auf Beförderungsmitteln beschäftigt werden. Damit ist jede Schwangere auf einem Postfahrrad oder in einem Speditionswagen eine Ordnungswidrigkeit. Die Beschäftigung von werdenden Müttern mit Akkord- oder Fließbandarbeit ist ebenfalls verboten. Es wird Frauen offenbar nicht zugetraut einzuschätzen, wann sie sich überlasten, wann sie pausieren oder welche Arbeiten sie ab einem gewissen Stadium der Schwangerschaft nicht mehr verrichten können. Vielleicht hält man sie auch für zu unvernünftig. Allerdings ist dies von Frau zu Frau unterschiedlich. Während einige Frauen die gesamte Schwangerschaft hindurch fit sind, geht es anderen zeitweise oder auch 9 Monate lang schlecht. Ich kenne eine Mutter, die noch wenige Tage vor der Geburt ihres vierten Kindes als Fitnesstrainerin gearbeitet hat. Meiner eigenen Mutter ging es während meiner gesamten Schwangerschaft nicht gut. Entscheidungen von Fall zu Fall wären hier sinnvoller.

Werdende und stillende Mütter dürfen keine Überstunden machen, sie dürfen nicht nachts und auch nicht Sonn- oder Feiertags beschäftigt werden. Allerdings gibt es von diesen Regelungen einige Ausnahmen: In der Gastronomie darf trotz Schwangerschaft oder Stillzeit bis 22 uhr gearbeitet werden, Landwirtinnen dürfen ab 5 Uhr Vieh melken und Künstlerinnen bis 23 Uhr auftreten. Auf die Lächerlichkeit dieser Ausnahmeregelungen muss ich wohl kaum hinweisen. Wie gefährlich ist denn nun die Arbeit an Sonntagen, Feiertagen oder gar des Nachts, also nach 20 Uhr? Vermutlich gar nicht. Das WARUM? dieser Regelung drängt sich geradezu auf.

Über all diesen Beschäftigungsverboten schwebt eine allmächtige Aufsichtsbehörde, die gnädig sein und Ausnahmen genehmigen kann. Dass eine Schwangere oder eine stillende Mutter in der Lage sein könnte selbst einzuschätzen, welche Arbeiten sie körperlich zu verrichten im Stande ist, kommt dem Gesetzgeber natürlich nicht in den Sinn. Der züchtet sich lieber eine Generation lammfrommer staatsgläubiger Arbeitnehmer heran, die nicht mehr über ihre Arbeitsbedingungen verhandeln können, weil sie in regelwütige Arbeitsschutzwatte gepackt sind.
Im Übrigen ist der Arbeitgeber verpflichtet, der Aufsichtsbehörde alle Daten einer schwangeren oder stillenden Frau vorzulegen. So viel zum Thema Datenschutz.

Fällt eine Frau aufgrund eines Beschäftigungsverbotes an ihrem Arbeitsplatz aus, so erhält sie von ihrer gesetzlichen Krankenkasse 13 Euro Mutterschaftsgeld täglich. Was dann zu ihrem normalen Gehalt noch fehlt, muss ihr Arbeitgeber draufzahlen. Gekündigt werden darf die Frau in diesem Fall auch nicht. Ausnahme von diesem Kündigungsschutz: Das Unternehmen meldet Insolvenz an.
Durch diese Maßnahmen wird es für Arbeitgeber künstlich teurer, eine Frau zu beschäftigen. Allein schon die Möglichkeit, dass sie schwanger wird, macht sie zu einem größeren Risiko. Zumal sich die Frage stellt, wie die Frau ersetzt werden soll. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft kann die Aufgabe einer Arbeitnehmerin nicht immer problemlos auf andere verteilt werden, solange es ihr verboten ist, zur Arbeit zu kommen.

Doch wie sollen sich schwangere Frauen finanzieren, wenn der Staat den Arbeitgeber nicht zwingt, ihr noch weiter Gehalt zu zahlen? Zunächst sollten Frauen mit ihrem Arbeitgeber gemeinsam festlegen, ob sie noch einen Teil ihres Gehalts bekommt, wenn sie wegen einer Schwangerschaft zeitweise ausfällt. Ebenso sollte geklärt werden, welche Möglichkeiten es für den Wiedereinstieg nach einer Schwangerschaft oder Elternzeit gibt. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber auch von der Art der Arbeit abhängig. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, in Teilzeit wieder einzusteigen und langsam wieder auf Vollzeit aufzustocken; vielleicht ist es auch möglich, direkt nach der Schwangerschaft von zuhause aus zu arbeiten; vielleicht wird auch eine längere Pause vereinbart, in der die Frau kein Geld vom Arbeitgeber erhält; aber möglicherweise wird das Arbeitsverhältnis auch beendet, damit die Frau eine beliebig lange Babypause machen und dann in einem anderen oder dem alten Betrieb wieder einsteigen kann.
Um für sich selbst vorzusorgen, ist auch vorstellbar, dass Frauen eine Versicherung abschließen, die ihnen während der Schwangerschaftspause monatlich einen bestimmten Betrag auszahlt.
Über die Finanzierung ihrer Schwangerschaft muss eine Frau auch immer mit ihrem Umfeld sprechen. Mit dem Vater des Kindes, ihren Eltern und ihrer Familie. Jede Familie muss die Schwangerschaft und den damit verbundenen Verdienstausfall nach ihren eigenen Möglichkeiten regeln.

Ich halte es nicht für nötig, das Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter gleich vollständig abzuschaffen. Ein erster Schritt wäre, es um all die unsinnigen Paragraphen zu beschneiden, die es beinhaltet. Grundsätzlich sollte jede Frau flexibel mit ihrem Arbeitgeber aushandeln können, wie im Falle einer Schwangerschaft zu verfahren ist. Das wäre für beide die bessere Lösung.
Selbständigen Frauen oder Hausfrauen traut man offenbar auch bereits zu, auf sich und ihr Kind aufzupassen. Jedenfalls gibt es kein Gesetz, das ihr Verhalten während einer Schwangerschaft regelt. Warum sollten angestellte Frauen diesbezüglich unvernünftiger sein?




Das Mutterschutzgesetz zum Nachlesen gibt es hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/muschg/gesamt.pdf


Dienstag, 9. September 2014

Besuch im Frauenmuseum Bonn
Tote Bienen, Kunst und das Schicksal der „Single Moms“


Es war Sonntag. Die Sonne schien und eigentlich hätte man sich an den Rhein setzen und grillen müssen, statt in ein Museum zu gehen. Von unglaublichem Aktionismus gepackt schnappte ich mir dennoch meine Kamera und mein Notizbuch und machte mich auf zum Frauenmuseum in der Bonner Altstadt.
Für diejenigen, die noch nie in Bonn waren, möchte ich kurz erklären, dass die wunderschöne Altstadt mit ihren Jahrhundertwende-Bauten bevorzugt von Linken, Autonomen und Gewerkschaftlern der FAU („Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union“) mit Aufklebern und aussagekräftigen Graffitis verunstaltet wird. Auch die Rote Hilfe e. V. befindet sich in der Altstadt unweit des Museums, ich wusste also worauf ich mich einließ, als ich den Weg zum Frauenmuseum einschlug.
Das Gebäude des Museums befindet sich in einem Hinterhof und ist ein ehemaliges Kaufhaus, das der Verein „frauen formen ihre stadt“ 1981 als Veranstaltungsort für die Ausstellung „Wo Außenseiterinnen wohnen“ nutzen durfte. Nach der Ausstellung nutzten die Frauen das Gebäude einfach weiter, was, wie das Museum selbst angibt, „einer Hausbesetzung gleichkam“. Heute wird das Gebäude rechtmäßig als Museum und Kunstausstellung genutzt und wird sogar durch die städtischen Wegweiser ausgeschildert.